Bauentwicklung

Wie alle Burgen ist auch die Hohenburg über die Jahrhunderte hinweg immer wieder, den Bedürfnissen der Bewohner entsprechend, umgebaut und erweitert worden. Die rundum dicht bebaute Hohenburg auf den Stichen von Michael Wening von 1701, ist das Ergebnis von stetiger Veränderung und spiegelt nicht die ursprüngliche Burg zur Gründungszeit wieder.

Die Anfänge

Ob eine urkundliche Erwähnung einer „Hohinpurc“ aus dem Jahr 956/7 wirklich unsere Hohenburg im Isarwinkel oder eine Andere meint, ist bisher nicht sicher geklärt; Einige Indizien sprechen allerdings dafür. Diese Urkunde spricht von einer Hohenburg, die von einem Wall umgeben war und die zu dieser Zeit (möglichweise im Zusammenhang mit den Ungarn-Einfällen der Vorjahre) zerstört war.

12. Jahrhundert

Die erste urkundliche Erwähnung, die sicher auf unsere Hohenburg bezogen werden kann, stammt aus der Zeit um 1100, als sich die drei Brüder Udalschalk, Richer und Norbert das erste Mal „de Hohenburch“ nennen. Zu dieser Zeit ist die „Standard-Burg“ der von einer Ringmauer oder Palisade umgebene Wohnturm. Ein solcher Wohnturm war um 1100 in vielen Fällen komplett aus Holz gebaut. In unserer Gegend, wo genügend Stein zum Bau zur Verfügung stand, ist aber durchaus auch zu dieser Zeit schon ein steinerner Wohnturm denkbar. Möglicherweise versteckt sich so ein Wohnturm im östlichen Flügel des „Althauses“.

Auch die Kapelle (direkt neben dem Tor) dürfe bereits im 12. Jh. aus Stein gebaut worden sein. Das Erscheinungsbild der nördlichen Außenmauer und die, auf dem Stich von 1701 erkennbaren, romanischen Rundbogenfenster sprechen für diese Zeit.

Stich von 1701 mit Hervorhebung des möglichen Wohnturms.

13. Jahrhundert

Um 1230 wurde der Bergfried errichtet, dessen Reste heute das markanteste Gebilde auf dem Ruinenareal sind. Die zeitliche Einordnung ist auf Grund der noch erkennbaren Baudetails grob möglich. So ist im Inneren noch der Ansatz eines Kreuzgewölbes und die aus lagerhaften, grob quaderhaft behauenen Kalksteinen gebaute Innenschale der Mauer erkennbar. Der Bergfried wurde gegen die Hauptangriffsseite der Burg in der Ringmauer positioniert, wie das bei Spornburgen häufig der Fall ist. Die Hohenburg fällt damit in die Klassifizierung als Frontturmburg. Seine Position ist zudem auch die höchste Erhebung des Burgsporns.

15. Jahrhundert

Karl Pfund verwies 1916 auf einen, bei Sicherungsarbeiten an der Burgruine, aufgefundenen Stein mit der eingemeißelten Jahreszahl 1415 und nahm an, dass die Burg zu diesem Zeitpunkt umgestaltet worden war. Wenige Jahre zuvor kam die Hohenburg in den Besitz der Maxlrainer. Wo der beschriebene Stein genau gefunden worden sein soll und welche baulichen Änderungen zu dieser Zeit vorgenommen wurden ist unbekannt und auch der Stein selbst ist mittlerweile verschollen.

16. Jahrhundert

Die auf den Stichen von 1701 dargestellte, der Burg vorgelagerte Schanze war eine Bastion mit großer Wehrplattform und entspricht dem Baustil um 1550. Die Hohenburg ist somit nicht nur Burg oder Schloss, sondern zumindest per Definition auch eine Festung, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Anders als bei den klassischen hohen Burgtürmen ging es beim Bau der Schanze nicht mehr um die optische Fernwirkung (sehen und gesehen werden), sondern allein um den praktischen Nutzen und tatsächliche Wehrhaftigkeit im Zeitalter der Feuerwaffen. Sie diente vor allem auch zum Aufstellen von Geschützen zur Verteidigung. Ob sie bereits unter den Schellenbergern, die die Hohenburg von 1522 bis 1566 besessen hatten, entstand oder erst unter den Herwarth ist unbekannt.

Hohenburg um 1568
Holzschnitt von Jost Amman für Philipp Apians Bairische Landtafeln (1568); Apian schreibt in seiner Topografie von Bayern über die Hohenburg: „Arx perantiqua et munita“ (Eine uralte und feste Burg).

Der Holzschnitt von Jost Amman aus dem Jahr 1568 zeigt die Hohenburg als eine Wehranlage mit zwei mächtigen Türmen auf ihrer Westseite (Richtung Isar). Es ist gut möglich, dass die Abbildung deswegen keine Turmdächer zeigt, weil sich die Hohenburg zum Zeitpunkt der Anfertigung vermutlich bereits in einer massiven Umbauphase befand.

Neben den markanten zwei Türmen, ist auch zu erkennen, dass die Gebäude Pultdächer besaßen, die nur zum Inneren der Burg geneigt waren. Dadurch konnte das Regenwasser der gesamte Dachflächen sehr effektiv in der Zisterne gesammelt werden. Außerdem waren die Gebäude, insbesondere die anfälligen Dächer, bestmöglich nach außen geschützt vor Wurfkörpern und Brandgeschossen.

1566 erwarb der Augsburger Patrizier Hanns Paul Herwarth die Hohenburg, baute sie zu einem zeitgemäßen Renaissance-Schloss aus und machte sie zu seinem Hauptwohnsitz. In diesem Zuge wird die Hohenburg bereits weitestgehend das Aussehen bekommen haben, dass von den späteren Darstellungen um 1700 her bekannt ist.

Dass diese Darstellung von 1568 eine tatsächliche Ausbaustufe der Hohenburg zeigt, aus der sich später das von den Stichen Wenings bekannte Burgschloss entwickelt hat, konnte Wolfgang Essler anhand einer Studie nachweisen:

1) Darstellung 1568; 2) Darstellung 1701 im Hintergrund des Kalvarienbergs; 3) Ruinen-Darstellung 1720 im Hintergrund des neuen Schlosses: Die ursprünglichen zwei Türme werden wieder sichtbar

Gegen Ende des 16. Jhdt. ist auch der Neubau eines [vor]springenden Torcastens überliefert, der sich außen, vor (unterhalb) dem früheren Torgebäudes befunden hat, erkennbar an den eigentümlichen Felsformationen.

Zustand bis zum Brand 1707

Einer der zwei westlichen Wehrtürme wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen im 16. Jh. in ein Gebäude eingegliedert, das an den noch verbleibenden Turm, den Bergfried, anschließt. Die Gebäude tragen jetzt schindelgedeckte Krüppelwalmdächer und zeigen auch deutlich mehr Fensteröffnungen.

Votivtafel von 1699
Stich von Michael Wening 1701
Stich von Michael Wening 1701

Untertägige Spuren

Bei der geoelektrischen Untersuchung eines rechteckigen Feldes auf dem Burgplateau im Jahr 2004 wurden Abweichungen der Bodenbeschaffenheit sichtbar gemacht. Diese könnten auf Gebäudestrukturen hindeuten, die wesentlich vom bislang bekannten Gebäudebestand der Hohenburg abweichen. Die sehr schwammigen Bilder erlauben allerdings keine wirklichen Rückschlüsse, zumal das aufgenommene Gelände sehr uneben ist und der Untergrund aus anstehendem Fels besteht.